Wo sind die Blumen geblieben

Sag, wo sind die Blumen geblieben?
Die Blumen der guten, erfreulichen, schönen Dinge
in den Zeitungen und im Fernsehen,
in den täglichen Gesprächen?
Sie sind erstickt und gestorben
in einer Lawine von Berichten über Gewalttaten,
Mord, Katastrophen, große und kleine Skandale.
Keiner hat sie gesehen, keiner hat von ihnen gehört.
Sie sind erstickt und gestorben
an der Börse der Spekulanten mit Sensationen,
auf den Lippen der Unglückspropheten.

Sag, wo sind die Blumen geblieben?
Die Blumen der kleinen Aufmerksamkeiten?
Die Blumen, daß man füreinander Geschenk ist:
der Mann für die Frau, die Frau für den Mann.
Alle Menschen füreinander.
Sie sind untergegangen in häuslichen Kleinkriegen,
in Krisen und Streit, weil wir so stur sind,
weil wir über unsere lächerlichen Empfindlichkeiten,
über unsere Gereiztheit nicht hinwegkommen.

Sag, wo sind die Blumen geblieben?
Die Blumen der Geborgenheit,
die wir einander geben können?
Du hast ein Herz, und da ist ein Mensch,
der dich braucht.
Bist du etwa blind und taub?