Ich habe genug

Wenn ich die großen Tenöre der Politik und Wirtschaft höre,
wenn ich alle Jahre das Feilschen um mehr Lohn sehe
und erlebe, wie danach Steuern und Preise höher werden,
kann ich nur fragen: Warum? Warum mehr verdienen,
mehr Geld, mehr Gewinn, mehr kaufen, mehr verbrauchen?
Warum und wozu und für wen? Sicher nicht für die Unproduktiven,
die Armen, denn die geraten immer mehr ins Abseits,
die sehen niemals mehr als ein paar Krümel.

Bin ich nur ein großer Narr, wenn ich frage,
welche unsichtbaren Mächte hier am Werk sind?
Sind es die düsteren Mächte menschlicher Habsucht
und Gier, oder tragen sie andere Namen?
Am liebsten möchte ich beten, das wird mir keiner übelnehmen:
»Herr, erlöse uns von dem Besitz, der uns besessen macht.
Erlöse uns von der krankhaften Habgier.
Erlöse uns von dem Verlangen nach Dingen,
die uns doch nicht befriedigen und nur noch gieriger machen.«

Am liebsten möchte ich, daß jeder sagen kann:
»Ich habe genug.
Ich habe zwei Augen, kostbar wie Diamanten,
einen Mund, um zu pfeifen,
und eine Gesundheit, die nicht zu bezahlen ist.
Ich habe genug. Ich habe eine Sonne am Himmel.
Ich habe ein Dach überm Kopf. Ich habe zu tun.
Ich habe genug zu essen, und ich habe Menschen,
um sie zu lieben. Ja, ich habe genug.«