Nicht warten, bis es zu spät ist
Vielleicht hast du Vater und Mutter noch,
vielleicht bist du verheiratet.
Dann sei vor allem zu Hause freundlich,
voller Aufmerksamkeit und Güte zu den anderen.
Denn wenn Vater oder Mutter, Mann oder Frau sterben,
kommt es oft vor, daß es den Hinterbliebenen,
den Kindern oder dem Ehepartner, sehr leid tut,
manchmal so wenig liebevoll zu ihnen gewesen zu sein.
Du wirst dann zuerst an Augenblicke denken,
in denen du zum alten Vater oder zur alten Mutter
ungeduldig, hart und verständnislos warst,
wenn es vielleicht große Schwierigkeiten gab.
Als Ehemann wirst du dich dann vor allem erinnern,
wie wenig Respekt und Einfühlungsvermögen
du manchmal der eigenen Frau entgegenbrachtest.
Und als Ehefrau wird dir vielleicht bewußt,
wie sehr dein Mann enttäuscht gewesen sein muß
wegen deiner Launen und deiner Eifersucht,
wegen deiner ausgebliebenen Zuwendung.
Dann erst werdet ihr nachempfinden,
wie sehr der andere im stillen gelitten hat.
Dann werdet ihr, ohne daß es einer sieht, weinen:
»Hätte ich doch noch fünf Minuten, um alles zu sagen
und alles wieder gutzumachen, nur fünf Minuten!«
Aber es tut einem immer zu spät leid,
wenn man wartet, bis einer tot ist.