Versöhne dich mit dem Leben
Wieder sah ich einen Mann schrecklich leiden
unter dem unwiderruflichen Verlust seiner Frau.
Er erinnerte mich an einen anderen, der vor einiger Zeit
bei mir saß wie ein Granitblock, mit versteinertem Gesicht.
Die Worte, die er mit Pausen hervorstieß, klangen wie ein Fluch:
»Das darf nicht wahr sein: meine Frau - tot. Verunglückt.
Es geht nicht ohne sie. Ich kann nicht. Ich mache Schluß.«
»Versuche dich zu versöhnen«, sagte ich leise.
»Ich will nicht, ich kann nicht, ich mache Schluß.«
Manchmal kann Leben für Menschen entsetzlich sein.
Arthur Miller schreibt in einem seiner Theaterstücke:
»Ich träumte, daß mein Leben ein Kind von mir war.
Aber es war verunstaltet, mongoloid, und ich lief weg.
Immer wieder kroch es mir auf den Schoß, bis ich dachte:
Wenn ich es küssen kann, kann ich vielleicht schlafen.
Und ich bog meinen Kopf über sein verzerrtes Gesicht,
es war schrecklich ... aber ich küßte es.«
Ja, ich glaube: Am Ende mußt du
dein Leben in die Arme nehmen,
so wie dein Leben ist, und mußt dich damit versöhnen,
so hart und schwer das auch ist. Aber wenn du es geküßt hast,
wird es anders, erträglicher. Mach dir keine Illusionen.
Glück ist keine Dauervorstellung im Theater des Lebens.
Tiefes Glück kommt und geht und dauert meist nicht lang.
In der übrigen Zeit heißt es: daran denken und darauf warten!
Versöhne dich mit dem Leben, so wie es ist. Heute. Jetzt.
Um das bißchen Glück, das auf dich wartet, nicht zu verfehlen.